Wiktoria Lomasko

NEUE ZEICHEN – COMICS IN BERLIN

Wiktoria Lomasko

Wiktoria Lomasko wurde 1978 in Serpuchow, Russland, geboren. Seit Abschluss ihres Grafikdesign-Studiums an der Moskauer Staatlichen Universität für Druckwesen 2003 arbeitet sie an den Schnittstellen von Grafik, Aktivismus und zeitgenössischer Kunst und veröffentlicht seitdem Arbeiten als Illustratorin in unterschiedlichen Magazinen und Zeitungen mit einem Fokus auf grafischen Reportagen– ein Thema, zu dem sie auch lehrte. Dabei bezieht sie sich auf russische Traditionen des bildlichen Berichts, wie er im Gulag, während der Belagerung von Leningrad sowie im Militär Anwendung fand.

 

Ihre eigenen Werke in diesem Genre erforschen, wie sich die gegenwärtige russische Gesellschaft aus verschiedenen Gemeinschaften zusammensetzt und wie deren Innenleben aussieht. Neben Porträts dominanter Gruppen wie der Anhänger des russisch-orthodoxen Christentums Lomasko interessiert sich vor allem für Menschen am Rand der Gesellschaft, etwa orthodoxe Aktivisten (2008) oder Aktivisten, die für die Rechte von Schwulen und Lesben kämpfen, Gastarbeiter oder Sex-Arbeiterinnen. Dabei arbeitet sie nicht nur mit Menschenrechtsorganisationen, sondern auch mit Massenmedien zusammen und war mit ihren Werken bei Ausstellungen in Russland sowie international vertreten. Lomasko initiierte zudem zwei langfristige Projekte, die Kunst und Aktivismus verbinden. So kuratiert sie in Zusammenarbeit mit Nadya Plungian das Projekt »Feminist Pencil« und gemeinsam mit Zlata Ponirovska die Kunstinitiative »Drawing the Court«. Als Gerichtszeichnerin dokumentierte Lomasko vor allem politisch motivierte Verhandlungen gegen Künstlerinnen und Oppositionelle wie die Punkband Pussy Riot und die »Gefangenen des 6. Mai«. Laut des Selbstverständnisses des Projekts gehe es nicht nur darum, Aufmerksamkeit für diese Fälle zu erzeugen, sondern auch um die künstlerische Dimension, da eine Zeichnung im Gegensatz zu einer Fotografie die Möglichkeit eröffne, die eigene Einschätzung der Situation durch die Auswahl des Skizzierten und den Stil sowie durch begleitende Kommentare in das entstehende Kunstwerk einfließen zu lassen. Hunderte solcher Zeichnungen, die über die Projektdauer von über sechs Jahren von verschiedenen Künstlerinnen angefertigt wurden, sind in einem elektronischen Archiv auf der Seite risuemsud.ru einsehbar. Lomasko veröffentlichte zudem mit »Chronik des Widerstands« eine Bild-Dokumentation über die Straßenproteste, die sich im Winter 2011/2012 gegen die russische Regierung richteten. Auch die zusammen mit Anton Nikolajew erstellte Comicreportage »Boomkniga« (2011; dt. »Verbotene Kunst«, 2013), die über den Prozess gegen die Organisatoren der gleichnamigen Kunstausstellung berichtete, sorgte für Aufmerksamkeit und erschien in drei Sprachen.

 

2015 war Lomasko im Rahmen des Comicfestivals Fumetto in Luzern am schweizerisch-russischen Austauschprojekt »Pas de Deux« beteiligt. Sie lebt in Moskau.

Bibliographie

Verbotene Kunst

Eine Moskauer Ausstellung

Gerichtsreportage

[Mit Anton Nikolajew]

Matthes und Seitz

Berlin, 2013

[Ü: Sandra Frimmel]

 

 

Copyright © 2016 All Rights Reserved