Sylvain Savoia

NEUE ZEICHEN – COMICS IN BERLIN

Sylvain Savoia

Sylvain Savoia wurde am 30. September 1969 in Reims geboren. Er zeichnet, seitdem er denken kann. Seine ersten publizierten Comics erschienen in den 1980er Jahren in französischen Fanzines. Von 1989 bs 1991 absolviert er ein Studium an der Hochschule für bildende Künste in Brüssel, gemeinsam mit seinem ebenfalls 1969 in Reims geborenen Jugendfreund Jean-David Morvan. In den Folgejahren schufen die beiden gemeinsam mehrere Comic-Alben und -Serien, bei denen Morvan als Autor und Savoia als Zeichner fungierte. Ihr erster gemeinsamer Titel war 1993 der Western „Reflets perdus“ (éditions Zenda).

 

Von den insgesamt rund 15 Comic-Alben, die Savoia in den folgenden Jahren zeichnet, erlangen vor allem zwei Serien auch international Aufmerksamkeit und werden unter anderem in Deutschland veröffentlicht: Die Science-Fiction-Thriller-Serie „Nomad“ (1994-2000) und die europäische Polizei-Thriller-Serie „al’togo“ (ab 2003).

 

Morvans und Savoias gemeinsame Arbeiten zeigen durch ihre Ansiedelung in sehr unterschiedlichen Universen, dass sie sich nicht auf ein Genre festlegen wollen. Ein Thema lässt sich jedoch als roter Faden erkennen: Die innere Suche ihrer Hauptfiguren nach sich selbst. Parallel zu der Arbeit an diesen Serien und gelegentlichen Einzelbänden und Comic-Kurzgeschichten hat Savoia seinen Lebensunterhalt über viele Jahre durch kommerzielle Arbeiten wie Plakatentwürfe, Werbung, Ausbildungsbroschüren und ähnliche Illustrationsaufträge verdient.

 

Die bislang größte internationale Aufmerksamkeit bekommt Savoia durch die ab 2004 gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Marzena Sowa entwickelte Serie „Marzi“, von der in Frankreich bislang sechs Einzelbände und zwei längere Sammelausgaben erschienen sind. Sowa wurde durch den rund zehn Jahre älteren Savoia an das Medium Comic herangeführt. In Deutschland ist bislang ein Sammelband mit den ersten drei Episoden veröffentlicht worden. Neben Ausgaben in Englisch und Spanisch ist kürzlich auch eine polnische Ausgabe erschienen.

 

20 Jahre nach dem Fall der Mauer erzählt Marzena Sowa in der Reihe von ihrer Kindheit und Jugend in Polen zu Zeiten des Kommunismus. Sie schildert die Ereignisse jener Jahre aus dem unschuldigen Blickwinkel eines Kindes und lässt neben Alltagsbeobachtungen immer wieder wirtschaftliche, politische und soziale Themen und aktuelle Konflikte im Hintergrund aufscheinen, die im Verlauf der Serie mit zunehmendem Alter der Ich-Erzählerin an Bedeutung gewinnen und auf zunehmend erwachsene Weise reflektiert werden.

 

Savoias Stil ist von der so genannten Ligne Claire, der im frankobelgischen Raum weit verbreiteten klaren Linie geprägt. Während er in seiner mit Morvan geschaffenen Serien auf eine realistisch anmutendere Darstellung der Figuren setzte, zeichnet die Illustrationen bei „Marzi“ ein leicht karikierender, cartoonhafter, vom Funny-Comic geprägter Zeichenstil aus.

Bibliographie

Nomad [mit Jean-David Morvan]

auf Deutsch bei Kult Editionen, fünf Bände (1995-2000)

 

al´togo [Jean-David Morvan]

auf Deutsch bei Bunte Editionen, bislang drei Bände (2010-2012)

 

Marzi [mit Marzena Sowa] bislang ein Sammelband („Marzi 1 - 1984-1987“) auf Deutsch bei Panini Comics (2012)

 

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