Stefano Ricci

NEUE ZEICHEN – COMICS IN BERLIN

Stefano Ricci

Stefano Ricci, geboren 1966 in Bologna, lebt und arbeitet als Künstler und Hochschuldozent in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Italien. Er hat einen Lehrauftrag an der Fakultät Design, Medien und Information der Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Außerdem ist er Dozent für Comic an der Universität Udine in Italien sowie Mitherausgeber des Mami-Verlages, den er zusammen mit seiner Frau, der Künstlerin Anke Feuchtenberger, betreibt.

 

Seit 1985 erarbeitet Ricci Zeichnungen, Gemälde, Illustrationen, Comics, Tanzperformances und Filme, viele seiner Arbeiten überschreiten die herkömmlichen Grenzen der Kunstformen. Ricci benutzt für seine Bilder unterschiedlichste Materialien, von Ölpastellkreide, Bleistift, Klebeband, Leimstift und Transparentpapier bis zu Wasserfarbe und Spray. Seine freien und doch erzählerischen Arbeiten, die durch vielschichtige, reliefartige Oberflächen geprägt sind, wurden in den verschiedensten Bereichen international veröffentlicht: als Comics, als Plakate für Theater und Film, als Illustrationen für Magazine und Zeitungen.

 

Der Künstler hat seit den 1980er Jahren zahlreiche Illustrationen und Comics in Wochenzeitungen und Magazinen publiziert. Seine erste Buchveröffentlichung war 1994 der Band »Dottori“. Im Bereich Comics veröffentlichte er, neben einigen Kurzgeschichten, 1996 das Album »Tufo«, geschrieben von Philippe de Pierpont, welches auch ins Deutsche und ins Französische übersetzt wurde und 1997 auf dem Comicfestival von Angouléme präsentiert und für den Prix International de la Bande Dessinée di Bruxelles nominiert wurde. Mitte der Neunziger gründete Ricci mit Giovanna Anceschi die Comiczeitschrift »Edition Mano« und betreute die zugehörige Galerie.

 

Für das Magazin »Glamour« schuf Ricci zusammen mit Gabriella Giandelli die grafische Fortsetzungsgeschichte »anita«, welche ab 1998 als Buch in Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland publiziert wurden. In einer Art privaten Tagebuch lassen Giandelli und Ricci das Leben einer jungen Frau Revue passieren. »Die poetische Einsamkeitsstudie sticht mit ihrem pastosen Farbauftrag aus der eher grafischen Comiclandschaft hervor«, lobte ein Kritiker des Tagesspiegels. Indem Ricci Acetatplatten auf Pappe klebe, um seinen flächigen Farbschichten plastische Wirkung zu verleihen, entstehe »ein Comic aus Gemälden«. Und die NZZ schrieb, Ricci habe sich »in den expressionismusnahen Stil des deutschsprachigen Comic-Schaffens verliebt, wenn seine Phantasien sich teilweise auch noch reduzierter, noch fragmentierter, abstrakter als die seiner Kollegen ausnehmen«.

 

Riccis jüngste grafische Erzählung »Die Geschichte des Bären« erscheint im Herbst 2014 auf Deutsch im Avant-Verlag. Ausgehend von der Jagd auf den im Jahr 2006 im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet umherstreunenden Braunbären Bruno erzählt Ricci darin eine Fabel über unsere Gesellschaft, die Autobiografisches, Fiktives und eine tragische Familiengeschichte verbindet.

 

Lars von Törne

 

Bibliographie

Dottori

Metrolibri

1994

 

Tufo (mit Philippe de Pierpont)

Amok

Paris 1996

 

Anita

Freon/Avant

Brüssel/Berlin 1998

 

Nina et Lili

Autremont

Paris 2000

 

Lamioche

Edition Demoures

Genf 1999

 

Depositonero

Freon u.a.

Brüssel, Rom, Paris 1999-2005

 

Die Geschichte des Bären

Avant

Berlin 2014

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