Riad Sattouf

NEUE ZEICHEN – COMICS IN BERLIN

Riad Sattouf

Riad Sattouf wurde 1978 als Sohn eines syrischen Vaters und einer französischen Mutter in Paris geboren. Bereits während seiner Kindheit und Jugend, die er in Algerien, Libyen, Syrien und dann wieder in Frankreich verbrachte, war Sattouf von Comics fasziniert, die er eifrig las. Neben einer Pilotenausbildung bewarb er sich u.a. an der Gobelins-Schule für visuelle Kommunikation, um Animation zu studieren.

 

2003 erschien Sattoufs erster Comic »Manuel du puceau« (Ü: Handbuch einer Jungfrau), welcher die Zeit der Adoleszenz als Zerrissenheit zwischen der Existenz als großes Kind und dem Interesse für das andere Geschlecht, die sich beide kaum vereinbaren lassen, auf sehr humorvolle Art und Weise beschreibt. Auch die ein Jahr später folgende Mischung aus Comic und Bildergeschichte »Ma Circoncision« (dt. »Meine Beschneidung«, 2010) ist autobiografisch geprägt. Als eine »Geschichte der Angst« sowie eine komische, aber auch »grimmig formulierte Kritik« bezeichnete eine Besprechung in der »Tageszeitung« die Schilderung des Rituals aus der Perspektive eines Kindes. Die Komik des Werks ergebe sich dabei aus dem Kontrast dieser Perspektive zu seiner brutalen Umgebung mit väterlichen Prügeln und der Züchtigung durch den Lehrer. Sattoufs Interesse an den Nöten von Jugendlichen und allgemein am Prozess des Erwachsenwerdens findet sich auch in dem Band »La vie secrète des jeunes« (2007; Ü: Das geheime Leben der Jugend), einer Sammlung auf der Straße aufgeschnappter Gesprächsfetzen und Szenen unter Jugendlichen, die er mehrere Jahre lang wöchentlich für das französische Satiremagazin »Charlie Hebdo« zu Comicstrips verarbeitete, sowie in seinem ersten Kinofilm »Les beaux gosses« (2009; dt. »Jungs bleiben Jungs«, 2010), für den er 2010 den César für das beste Regiedebüt erhielt. In seinem jüngsten Film »Jacky au royaume des filles« (2014; Ü: Jacky im Königreich der Frauen) zeigt Sattouf einen fiktiven totalitären Staat, in dem Männer und Frauen ihre Rollen getauscht haben und die Liebe eines Jungen zu der Tochter der Diktatorin eine Reihe komischer Ereignisse in Gang setzt. Von seinen Comics wurde zuletzt »L’Arabe du futur« (2014; dt. »Der Araber von morgen«, 2015) ins Deutsche übertragen. Sattouf erzählt darin von seiner Kindheit im Nahen Osten bis zum Jahr 1984. Eine Rezension in »Die Welt« stellt das Buch in eine Reihe mit autobiografischen Bilderzählungen wie Marjane Satrapis »Persepolis« (2000–2003; dt. 2004–2006), nur dass es hier nicht um den Iran und Österreich, sondern Libyen, Syrien und Frankreich gehe. Sattouf würze dabei die eigene ungewöhnliche Lebensgeschichte mit sehr genauen Beobachtungen und schildere die arabische Welt als absurde Familienkomödie.

 

2014/2015 gewann er mit diesem Werk u.a. den Grand Prix RTL für Comicbücher sowie den Preis für das beste Album beim Festival International de la Bande Dessinée d’Angoulême.

 

 

 

Bibliographie

Manuel du puceau

Bréal Jeunesse

Rosny-sous-Bois, 2003

 

La vie secrète des jeunes

L’Association collection

Ciboulette/Paris, 2007

 

Jungs bleiben Jungs

[Regisseur / Co-Drehbuchautor]

Frankreich, 2009

 

Meine Beschneidung

Reprodukt

Berlin, 2010

[Ü: Martin Budde]

 

Der Araber von morgen

Knaus

München, 2015

[Ü: Andreas Platthaus]

 

Links

 

www.riadsattouf.com

 

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