Paco Roca

NEUE ZEICHEN – COMICS IN BERLIN

Paco Roca

Paco Roca, eigentlich Francisco José Martínez Roca, wurde 1969 in Valencia, Spanien, geboren. Von klein auf las er Comics aus Reihen wie »Asterix und Obelix« und »Tim und Struppi«. Stilistisch beeinflussten ihn zudem Künstler wie Richard Corben, Carlos Giménez und Frank Miller. Nach einem Kunststudium arbeitete Roca zunächst in einer Werbeagentur, bevor er 1999 mit der Comic-Kurzgeschichte »El Señor Osiris« (Ü: Der Herr Osiris) sein literarisches Debüt feierte.

 

In seinen Graphic Novels spricht Roca nicht nur historische Ereignisse wie die Diktatur und den Bürgerkrieg in Spanien an, sondern auch aktuelle gesellschaftliche und soziale Themen. So veröffentlichte er 2007 die Bildergeschichte »Arrugas« (dt. »Kopf in den Wolken«, 2013), die vom Leben mit einer Demenzerkrankung erzählt. Die Hauptfigur Emilio, der als Bewohner eines Altersheims öfter denkt, er sei wieder der Leiter einer Bankfiliale, nimmt hier gemeinsam mit anderen Patienten, die dasselbe Krankheitsbild in unterschiedlichen Ausprägungen zeigen, den Kampf gegen das Vergessen auf, um u.a. durch Vertuschen der Symptome zu verhindern, auf der Pflegeabteilung zu landen, welche mit großer Wahrscheinlichkeit auch zur Endstation ihres (selbstbestimmten) Lebens würde. Roca gelingt es dabei, mit empathischem Humor und feiner Beobachtungsgabe den Blick auf Menschen zu lenken, die zumeist ein Leben abseits der allgemeinen Wahrnehmung fristen. 2008 wurde Roca für dieses Buch mit dem spanischen Premio Nacional del Cómic ausgezeichnet. Eine filmische Umsetzung mit dem Titel »Wrinkles« (2011; Ü: Falten) gewann 2012 zwei Goya Awards. 2010 erschien die Graphic Novel »El invierno del dibujante« (dt. »Der Winter des Zeichners«, 2012). Roca erzählt darin die wahre Geschichte von Guillermo Cifré, Carlos Conti, Josep Escobar, Eugenion Giner und José Peñarroya, die im Spanien Francos für die Anerkennung des Comics als Kunstform kämpften; angesichts der aktuellen tiefgreifenden Krise in seiner Heimat zudem eine Parabel auf den Preis künstlerischer Selbstentfaltung in einer profitorientierten Welt. Eine Rezension in der »Tageszeitung« lobte, wie eindrücklich Roca dabei in einer berührenden Geschichte von geplatzten Träumen, Anpassung und Repression die Atmosphäre jener Jahre einfange. Seine zuletzt publizierte Graphic Novel »Los surcos del azar« (2013; dt. »Die Heimatlosen«, 2015) ist ebenfalls historisch. Anhand der Erinnerungen eines Zeitzeugen rekonstruiert Roca die kaum bekannte Geschichte der spanischen Exil-Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg, die an der Seite der Résistance bis zur Kapitulation der Deutschen kämpften, doch deren größter Wunsch, die eigene Heimat von der Diktatur befreit zu sehen, jahrzehntelang unerfüllt bleibt. 2014 erhielt der Autor für dieses Buch den Großen Preis des Internationalen Comic-Festivals in Rom.

 

 

 

Bibliographie

El Señor Osiris

Ganadería Trashumante

1999

 

Emotional World Tour

Astiberri

Bilbao, 2009

 

Der Winter des Zeichners

Reprodukt

Berlin, 2012

[Ü: André Höchemer]

 

Kopf in den Wolken

Reprodukt

Berlin, 2013

[Ü: André Höchemer]

 

Die Heimatlosen

Reprodukt

Berlin, 2015

[Ü: André Höchemer]

 

Links

 

www.pacoroca.com

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