Olivier Schrauwen

NEUE ZEICHEN – COMICS IN BERLIN

Olivier Schrauwen

Olivier Schrauwen wurde 1977 in Brügge, Belgien, geboren. Er studierte Animation an der Kunstakademie von Gent sowie Comiczeichnen am Saint Luc in Brüssel.

 

Der Mitarbeit an zahlreichen Sammelalben und Serien wie »Hic Sunt Leones« (2003) und »Spirou« folgte 2006 Schrauwens erstes Buch »My Boy« (dt. »Mein Junge«, 2008), das inzwischen auch in finnischer und spanischer Sprache vorliegt. Es zeigt die vielschichtige Beziehung eines Vaters zu seinem kleingewachsenen Sohn, in der Spannung zwischen demonstrativ zur Schau gestellter Liebe und dem heimlichen Eingeständnis, die Unzulänglichkeit des Nachwuchses eigentlich nicht akzeptieren zu können. Schrauwen orientiert sich dabei nach Einschätzung einer Kritik der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« visuell-erzählerisch an Stilmitteln des Zeichners Winsor McCay (»Little Nemo«, 1905–1920; Ü: Kleiner Niemand) wie einer starren Zweidimensionalität der Figuren und der Gewalttätigkeit des Geschehens. Zudem ziele der Künstler durch eine sorgsam inszenierte Patina samt Stockflecken auf eine Musealisierung des Genres ab. So erinnere beispielsweise die Farbgebung an den Zeitungsdruck des frühen 20. Jahrhunderts. Auf der anderen Seite lobt die Rezension, dass es Schrauwen gelinge, »einmal erschlossenes ästhetisches Potenzial auf intelligente, erneuernde Weise fruchtbar zu machen«, indem er den Albtraum hinter der Fassade des sorglosen Bürgertums in alltäglichen Situationen wie bei einem familiären Zoobesuch auf surreal-zynische Art aufdecke. 2007 schaffte es »My Boy« in die engere Auswahl in der Kategorie des besten Albums beim Wettbewerb von Angoulême und gewann auf dem Comicfestival in Turnhout den Preis für das beste Debüt. Drei Jahre später veröffentlichte Schrauwen mit »De man die zijn baard liet groeien« (dt. »Der Mann, der seinen Bart wachsen ließ«, 2011) eine Sammlung von Strips, die in Comic-Magazinen wie »Mome« und »Strapazin« erschienen waren. Eine Rezension von »The Comics Journal« identifizierte einen thematischen roten Faden erneut im Kontrast zwischen unterschwelliger Gewalt und der Banalität des Alltags, aus dem Schrauwen Komik generiere, sowie einen visuellen roten Faden in der für diesen Künstler typischen reduzierten Linienführung trotz Experimenten mit verschiedenen Bildstilen, was in einem Buch resultiere, das sich bei jedem Umblättern frisch anfühle. Zuletzt erschien die Graphic Novel »Arsène Schrauwen« (2014), vom »Paste Magazine« als einer der komplexesten und besten Comics des Jahres bezeichnet, der die Abenteuer von Schrauwens Großvater in einem afrikanischen Land beschreibt und dabei elegant mit in zwei Farben gehaltenen Zeichnungen sowie collageartigen Texten zwischen Realität und Fantastischem hin und her wechselt, wobei die Bedeutung der Farben laut Äußerungen des Künstlers in einem Interview nicht festgelegt, sondern vom Kontext abhängig sei.

 

Schrauwen lebt in Berlin.

 

Bibliographie

Mein Junge

Reprodukt

Berlin, 2008

[Ü: Helge Lethi]

 

Der Mann, der seinen Bart wachsen ließ

Reprodukt

Berlin, 2011

[Ü: Helge Lethi]

 

Arsène Schrauwen

Fantagraphics

Seattle, 2014

 

Links

 

www.ollieschrauwen.blogspot.de

 

 

 

 

 

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