Marzena Sowa

NEUE ZEICHEN – COMICS IN BERLIN

Marzena Sowa

Marzena Sowa wurde 1979 in der südostpolnischen Kleinstadt Stalowa Wola geboren. Sie hat französische Philologie an der renommierten Jagellonien-Universität in Krakau studiert. Dieses Studium setzte sie ab 2001 in Frankreich an der Universität Michel de Montaigne in Bordeaux fort. Dort lernte sie den gut zehn Jahre älteren Comiczeichner Sylvain Savoia kennen, der bereits sehr mehreren Jahren in dem Medium arbeitete. Die beiden wurden ein Paar – privat wie künstlerisch. Heute verbringen sie ihr Leben teils in Brüssel, teils in Frankreich.

 

Auf der Basis von Marzena Sowas Jugenderinnerungen kreierte das Duo die Comicserie „Marzi“, die alltägliche Episoden aus dem kommunistischen Polen aus der Sicht eines jungen Mädchens schildert. Der Anstoß dazu kam von Savoia, der Sowa auf die Idee brachte, ihre Erinnerungen aufzuschreiben: „Ich habe ihm viel über Polen zu Zeiten des Kommunismus erzählt“, sagt Sowa. „Er hörte fassungslos zu, visualisierte das Erzählte und machte Skizzen.“ Eines Tages hab er sie gefragt, was sie machen würde, wenn sie ihren Enkeln später von ihrer Kindheit erzählen wollte und sich an nichts mehr erinnerte. „Damals fing ich an zu schreiben, Memoiren mit dem Titel Marzi, das bin ich.“

 

Der Stil der auf Grundlage dieser Aufzeichnungen entstandenen Comics ist cartoonhaft und wirkt niedlich, erzählerisch ist der Ton mal ernsthaft, mal kindlich verspielt. Die Zeichnungen Savoias ähneln frankobelgischen Funny-Comics. Sie verstärken visuell die teilweise naiv-kindlich wirkende Erzählperspektive, an anderen Stellen kontrastieren sie aber auch die Erinnerungen Sowas, da diese neben einfachen, alltäglichen Lebensfreuden und Sorgen immer wieder auch politische und soziale Themen von weltpolitsicher Relevanz andeutet, so den sich langsam abzeichnenden politischen Umbruch in Polen und den Staaten des Warschauer Pakts in den 80er Jahren.

 

In Frankreich sind bislang sechs Bände von „Marzi“ erschienen, in Deutschland wurde kürzlich ein erster Sammelband veröffentlicht. Neben Ausgaben in Englisch und Spanisch ist kürzlich auch eine polnische Ausgabe veröffentlicht worden.

In ihren Erzählungen, die sie als „nachträgliches Tagebuch“ bezeichnet, berichtet Sowa von den materiellen Beschränkungen in Zeiten der Mangelwirtschaft und von latent drohenden staatlichen Repressionen, aber auch vom Improvisationstalent und der Lebensfreude ihrer Familie und Freunde. Der kindliche Erzählrahmen, der vor allem am Anfang der Reihe sehr eng gefasst ist, ist eine bewusst gewählte Beschränkung, um den unschuldigen und stellenweise naiven Blick eines kleinen Mädchens zu reflektieren. Im Laufe der Erzählung soll sich die Erzählperspektive aber der zunehmenden Reflexionsfähigkeit der älter werdenden Erzählerin anpassen, sagt sie.

 

Neben weiteren Episoden für die Marzi-Reihe, die vom Erwachsenwerden der Hauptfigur und ihrem Studium erzählen, arbeitet Marzena Sowa derzeit auch an einem anderen Comic, der den Warschauer Aufstand behandelt, die militärische Erhebung der Polnischen Heimatarmee gegen die deutschen Besatzungstruppen im besetzten Warschau ab 1. August 1944, der nach 63 Tagen wegen der deutschen Übermacht aufgegeben wurde. Zudem hat Sowa die „Berichte aus der Ukraine“ von Igort übersetzt und bietet Lehrveranstaltungen zum Thema Comic an.

 

 

 

 

 

 

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