Maciej Sieńczyk

NEUE ZEICHEN – COMICS IN BERLIN

Maciej Sieńczyk

Maciej Sieńczyk wurde 1972 geboren. Der polnische Illustrator, Zeichner und Comicbuchautor studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau und gilt in seinem Genre als Ausnahmetalent. Bekannt wurde der Künstler durch seine regelmäßig erscheinenden Comicstrips in Kultur- und Nachrichtenmagazinen wie »Lampa«, »Exklusiv« und »Newsweek«. Mit klaren Linien und großen, einfarbigen Flächen schafft Sieńczyk eine unverwechselbare Bildsprache. Seine häufig zweidimensional angelegten Figuren bewegen sich durch eigentümlich leer wirkende Räume, die ihr realistisches Ambiente nur vorzutäuschen scheinen. Die Geschichten seiner Comics bestehen aus lose aneinandergereihten surrealen Situationen und brechen mit traditionellen Erzählmustern, da sie keinem klassischen Spannungsbogen folgen, sondern sich im Gegenteil durch geradezu provozierende Ereignislosigkeit auszeichnen: »The points of the (...) stories are surprising because they are completely unsurprising.« (»Dwutygodnik«)

 

2005 veröffentlichte Sieńczyk, dessen Werke bereits mehrfach in Galerien ausgestellt wurden, seinen ersten eigenständigen Comicband »Hydriola«. Der zweite Band »Wrzątkun« (Ü: »Kochender Junge«) folgte 2009. Er enthält 31 fantastische Geschichten mit Figuren wie dem Mann, dessen Beine aus Licht bestehen oder dem titelgebenden Jungen, der nur in einem mit kochendem Wasser gefüllten Anzug leben kann. Als Inspirationsquelle dienen dem Autor neben Kindheitserinnerungen vor allem seine Träume: »I have a piece of paper next to my bed, on which I write down sentences or whole stories, after I dream of something horrible. (…) In the morning I make drawings of them.« Der dritte Comicband »Przygody na bezludnej wyspie« (2012; Ü: »Abenteuer auf einer einsamen Insel«) erzählt von einem Mann, der hinter seinem Bett das Tagebuch eines Afrikareisenden findet, dessen Erlebnisse er nachverfolgt. Jener ist nach einem Schiffsunglück auf einer mysteriösen Wüsteninsel gestrandet, auf der sich eine Reihe kurioser und gleichzeitig vollkommen folgenlos bleibender Ereignisse abspielt. Die Reise ins Unbekannte wird zur Parabel auf die Handlungsunfähigkeit des modernen Menschen, der sein Verhalten selbst angesichts größter Katastrophen nicht im Geringsten ändert. »Przygody na bezludnej wyspie« wurde 2013 als erstes Comicbuch für Polens wichtigste literarische Auszeichnung, den Nike-Literaturpreis nominiert. Neben seinen eigenen Werken illustrierte Sieńczyk immer wieder Romane junger polnischer Schriftsteller wie Dorota Masłowska, Michał Witkowski und Adam Widemann. 2012 zeichnete er Bilder für das humoristische Wörterbuch »Alphabet der polnischen Wunder« (hg. von Stefanie Peter) – eine Sammlung von 130 Miniessays über die Kunst, Kultur, Geschichte, Politik und den Alltag Polens. Sieńczyk lebt und arbeitet in Warschau.

 

Bibliographie

Hydriola

Lampa i Iskra Boża

Warschau, 2005

 

Wrzątkun

Lampa i Iskra Boża

Warschau, 2009

 

Przygody na bezludnej wyspie

Lampa i Iskra Boża

Warschau, 2012

 

 

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