Joann Sfar

NEUE ZEICHEN – COMICS IN BERLIN

Joann Sfar

Joann Sfar wurde 1971 in Nizza geboren. Nach einem Magister in Philosophie an der dortigen Universität studierte er Kunst an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris.

 

Sein Debüt als Comiczeichner feierte Sfar 1994 mit dem ersten Band der Serie »Les Aventures d’Ossour Hyrsidoux« (Ü: Die Abenteuer von Ossour Hyrsidoux), dem ein Jahr später ein zweiter Teil folgte. Für »Petrus Barbygère« (dt. »Petrus Grumbart«, 1998) malte er die Bilder zu der Geschichte von Pierre Dubois. Mit »Pascin« (2000; dt. 2004) schuf er seine erste gezeichneten Künstlerbiografie. »Chagall en Russie« (2010; dt. »Chagall in Russland«, 2012) und ein zweiter Pascin-Band folgten. Zu den zahlreichen weiteren Serien für Kinder und Erwachsene zählen u.a. »Professeur Bell« (dt. »Professor Bell«, 5 Bände), die im Krimi-Fantasy-Genre angesiedelt ist, »Le petit Monde du Golem« (1998; dt. »Die kleine Welt des Golem«, 2004), »Petit Vampire« (dt. »Desmodus«, 4 Bände), »Grand Vampire« (dt. »Vampir«/»Aspirine«, 2014) und seine im Revoltionsrussland verortete Reihe »Klezmer« (dt. »Klezmer«, 4 Bände). In »Le Chat du rabbin« (seit 2002; dt. »Die Katze des Rabbiners«), bei dem Sfar, der selbst Jude ist, erneut für Text und Bild verantwortlich zeichnet, frisst die Katze eines jüdischen Geistlichen, der in den zwanziger Jahren in Algerien lebt, einen Papagei. Dadurch mit der Fähigkeit begabt, mit Menschen zu sprechen, begleitet sie die Familie des Rabbiners nicht nur durch Situationen, in denen deren Glauben geprüft wird, sondern kommentiert die Ereignisse auch aus der Sicht einer Außenseiterin, bis sie ihre Sprache schließlich wieder verliert. Derzeit arbeitet er an einer Fortsetzung der Serie, die in Frankreich insgesamt 1,5 Millionen Mal verkauft wurde. 2011 setzte Sfar Teile dieser Geschichte in einem Zeichentrickfilm um, der mit einem César und dem Prix Jacques Prévert du Scénario ausgezeichnet wurde. 2010 hatte Sfar bereits dem Chansonnier Serge Gainsbourg in »Gainsbourg, vie héroïque« (dt. »Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte«, 2010) ein filmisches Denkmal gesetzt. Sein neuester Film, »La Dame dans l’auto avec des lunettes et un fusil« (Ü: Die Dame im Auto mit einer Brille und einer Pistole) kommt 2015 auf die Leinwand. Sfar, als Zeichner durch die skizzenhafte Führung seiner Linien bekannt geworden, veröffentlichte zudem mehrere illustrierte Romane, u.a. »La Sorcière et la Petite Fille« (2004; Ü: Die Hexe und das kleine Mädchen) sowie zuletzt »À bicyclette. Un tour en France« (2014; Ü: Auf einer Fahrradtour in Frankreich) zur 100. Tour de France – zwischen Leidenschaft und Depression strampelnd, aber immer mit Humor.

 

Nachdem er 2002 für sein Lebenswerk schon den Grand Prix de la Ville d’Angoulême erhalten hatte, wurde Joann Sfar 2014 zum Officier de l’ordre des Arts et des Lettres ernannt. Er lebt in Paris.

 

Bibliographie

Pascin

avant-verlag

Berlin, 2004

 

Die Katze des Rabbiners

[Gesamtausgabe in 2 Bänden]

avant-verlag

Berlin, 2004

 

Klezmer

[bislang 4 Bände]

avant-verlag

Berlin, 2009

 

Chagall in Russland

avant-verlag

Berlin, 2010

 

Vampir & Aspirine

avant-verlag

Berlin, 2013, 2014

 

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