Fabienne Loodts

NEUE ZEICHEN – COMICS IN BERLIN

Fabienne Loodts

Fabienne Loodts wurde 1982 in Belgien geboren. Sie arbeitet seit Ende der 1990er Jahre als Grafikerin und Illustratorin und hat 2004 ihr Studium der Kommunikationsgrafik an der l’Ecole Nationale Supérieurs des Arts Visuels de la Cambre mit dem Diplom abgeschlossen. Nach ersten Arbeiten als Zeitschriftenillustratorin ab 1999 hat sie zuletzt mehrere Bücher anderer Autoren illustriert, so Guillaume Apollinaires Meditation über Tod und Erinnerung, „La Promenade de l’ombre“, Igballe Bajraktaris Märchen „Les neufs frères et le diable“ (2005) sowie „Déesses des elfes sur le trottoir“ von Léna Ellka, eine Erzählung zum Thema Armut und Obdachlosigkeit aus Sicht eines Kindes.

 

2005 veröffentlichte sie das von ihr selbst geschriebene und illustrierte Buch „Les démons caca“. Es erzählt in kurzen Bild-Text-Kombinbationen von den „Scheiß-Teufeln“, die einen jeden von uns manchmal als dunkle Schatten verfolgen – und von denen man sich entweder beherrschen lassen kann oder die man zähmen und harmlos machen kann, indem man mit ihnen lebt. Im Jahr 2007 erschien das Kunst-Musik-Projekt „IGRA- Ein Spiel“, ein von Loodts illustriertes Buch in Kooperation mit einer Gruppe von Klezmer-Punk-Musikern, deren CD dem Buch ebenfalls beiliegt.

 

Ihre Bilder liegen im Grenzbereich zwischen Kunstgrafik, Illustration und Comic, charakteristisch für ihre Arbeiten ist ein fragiler, vielschichtiger Bleistiftstrich. Für „La Promenade de l’ombre“ experimentierte sie mit Zeichnungen auf Fotografien von Marianne Aprile und Isaebl Gautray.

 

Im Jahr 2007 begann Fabienne Loodts die Arbeit an ihrem bisher umfangreichsten Projekt, der Adaption von Chloe Aridjis’ Roman „Le livre des nuages“ (The Book of Clouds) als Graphic Novel. Dafür verbrachte sie einen längeren Rechercheaufenthalt in Berlin, wo das Buch spielt. 2010 bekam sie ein Stipendium, um das Buch fertigzustellen, Anfang 2012 ist es auf Französisch erschienen. Am Comic fasziniert sie, dass das Medium „in der Mitte zwischen Illustration und Kino liegt“, wie sie sagt: „Man kann mit der Narration spielen, mit Blickwinkeln und Rahmen, als ob man eine Kamera im Kopf – aber ohne jede Beschränkungen.“

 

In stimmungsvollen, düsteren und melancholisch wirkenden Bildern erzählt sie darin die Geschichte der in Berlin lebenden Mexikanerin Tatiana. Die hatte bereits als Jugendliche mit ihren Eltern die Stadt besucht und hier die „Geister der Vergangenheit“ gesehen, zum Beispiel in Gestalt einer alten Frau in der U-Bahn, die wie Hitler aussah. Als Erwachsene kehrt sie in die Stadt zurück, erkundet diese auf langen Streifzügen und erlebt das Gefühl, sich in der Anonymität der Großstadt zu verlieren. Sie lernt einen Historiker kennen, für den sie arbeitet und der ihr von der Geschichte der Stadt erzählt. Dadurch wird die Vergangenheit immer mehr zum Teil der Gegenwart. Mit ihren sensiblen Zeichnungen fängt Loodts kongenial Schlüsselthemen des Romans ein, wie das Gedächtnis der Gebäude, die Geister der Vergangenheit, die drückenden aber stets in Bewegung befindlichen Wolken über der Stadt und die Einsamkeit inmitten der Millionenmetropole.

 

 

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