Anna Sailamaa

NEUE ZEICHEN – COMICS IN BERLIN

Anna Sailamaa

Anna Sailamaa wurde 1979 in Tornio (Nordfinnland) geboren und lebt heute in Helsinki. Sie studierte an der Hochschule für Kunst und Design Helsinki, die sie 2012 mit dem Master abschloss. Den Comic entdeckte sie erst während des Kunststudiums als ihr Medium. Sie ist seit langem aktives Mitglied des in Helsinki ansässigen Künstlerkollektivs Kutikuti und Mitherausgeberin der Zeitschrift „Kuti“. Ihre Comics und Zeichnungen wurden in zahlreichen Anthologien in Finnland und außerhalb Finnlands veröffentlicht und auf Ausstellungen gezeigt. Beim Wettbewerb des Internationalen Comicfestivals „Fumetto“ gewann sie 2009 den Kurzgeschichtenwettbewerb zum Thema „Virus“ mit einem Beitrag unter dem Titel „Common Cold“. In Deutschland waren ihre Zeichnungen im Juni 2012 in einer Einzelausstellung in der Hamburger Galerie „Linda“ zu sehen.

 

Sailamaas meist mit Bleistift gezeichnete oder in schwarzer Tusche ausgeführte Arbeiten reflektieren oftmals menschliche Naturerfahrungen und zwischenmenschliche Beziehungen. Sie entziehen sich einfachen Zuschreibungen und sind im Grenzbereich zwischen bildender Kunst und Comic angesiedelt. Ihre Menschendarstellungen wirken oft leicht verzerrt und vermitteln einen subjektiven Blick auf die Welt. Neben Einzelbildern ohne narrative Struktur hat sie immer wieder auch gezeichnete Kurzgeschichten und zuletzt auch erste längere Comic-Erzählungen veröffentlicht.

 

Ihre 2008 veröffentlichte und aus fünf Episoden bestehende Erzählung „Ollaan nätisti“ (dt.„Seid brav“, engl. „Be Good Now“, in Kürze auf Französisch als „Sois sage maintenant“) ist eine bittersüße, aus fünf Episoden bestehende Geschichte von Familienbeziehungen, von Geschwistern, Müttern, Vätern und dem unvermeidlichen Generationskonflikt. Sie ist angelehnt an das Leben und die Familie der Autorin und besteht aus ineinander greifenden kurzen Begegnungen, die aus der Sicht unterschiedlicher Akteure beschrieben wird. In jeder Episode wird ein Familienmitglied vorgestellt, das über eine bestimmte Zeit und seine jeweilige Beziehung zur Familie spricht.

 

Ihr Debüt als Graphic-Novel-Autorin gab Sailamaas 2011 mit der Erzählung „Paimen“ (auf Englisch als „The Shepherd“ veröffentlicht). Die Geschichte erzählt in ruhigen, weitgehend wortlosen Bildern von einem jungen Mann, der in der von Bevölkerungsrückgang und sozialen Problemen gezeichneten Weite Nordfinnlands einen toten Schwan findet. Der einflussreiche britische Comicpublizist Paul Gravett platzierte den Titel auf der Liste der besten internationalen Comics des Jahres 2011, die er zusammen mit Comicfachleuten aus den jeweiligen Ländern erstellt. „Sailamaa bringt Eindrücke auf subtile Weise an die Oberfläche“, schreibt der finnische Comic-Herausgeber Harri Römötti in seiner Würdigung des Titels auf Gravetts Liste. Während der Leser die Geschichte aus der Sicht der Hauptfigur geschildert bekomme, entdecke er zusammen mit der handelnden Person der Erzählung viele kleine, aber wichtige Handlungselemente und Figuren am Rande der Panels. „Es dürfte eine anspruchsvolle Leseerfahrung sein“, fast Römpötti zusammen – „aber es lohnt sich“.

Mehr von und über Anna Sailamaa findet sich auf ihrer Website.

 

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